Ein Obstbaum, der im November gepflanzt wird, sieht bis zum Frühjahr aus wie ein Stock mit ein paar Zweigen. Unter der Erde passiert in dieser Zeit aber das Wichtigste. Solange der Boden nicht gefroren ist, bilden sich feine Wurzeln, die das Wasser des Winters aufnehmen und dem Baum im April einen Start ermöglichen, den ein im Frühjahr gepflanzter Nachbar erst Wochen später hat. Wer Obstbäume pflanzen will, legt damit eine Entscheidung für Jahrzehnte fest. Die Wahl der Unterlage bestimmt die spätere Größe, das Pflanzloch die ersten Jahre und ein vergessener Drahtkorb manchmal das jähe Ende. Mit etwas Planung lassen sich die typischen Fehler vermeiden.
Der Winter arbeitet für den jungen Baum
Der Herbst ist für die meisten heimischen Obstarten die beste Pflanzzeit. Die Temperaturen sind moderat, der Boden ist feucht und noch warm, und der Baum muss keine Blätter mehr versorgen. Seine gesamte Energie fließt in die Wurzelbildung. Im Frühjahr gepflanzte Bäume dagegen müssen gleichzeitig anwachsen und austreiben, und eine Trockenphase im Mai trifft sie mit voller Wucht.
Apfel, Birne, Pflaume, Zwetschge, Mirabelle und Kirsche lassen sich problemlos im Herbst pflanzen. Etwas anders sieht es bei frostempfindlicheren Arten aus. Pfirsich und Aprikose kommen besser im Frühjahr in den Boden, ebenso Walnuss, Esskastanie oder Kaki, weil junge Bäume dieser Arten in ihrem ersten Winter leicht Frostschäden erleiden.
Wurzelnackte Bäume sind günstiger und oft die bessere Wahl
In Baumschulen werden ab Mitte Oktober sogenannte wurzelnackte Obstbäume angeboten. Sie kommen ohne Topf, ohne Erdballen und ohne Laub, die Wurzeln liegen frei. Das klingt nach einem Nachteil, ist aber keiner. Wurzelnackte Bäume sind deutlich günstiger als Containerware und wachsen bei richtiger Pflanzung sehr gut an, weil ihre Wurzeln nicht jahrelang im Kreis durch einen Topf gewachsen sind.
Einige Stunden im Wassereimer, dann ab ins Pflanzloch. Wurzelnackte Bäume kosten weniger und wachsen an, wenn man Obstbäume im Herbst pflanzt, besonders zuverlässig.
Ihre Pflanzzeit ist allerdings begrenzt. Wurzelnackte Bäume werden am besten im Spätherbst gesetzt, klassisch im November, oder im zeitigen Frühjahr bis Ende März. Nach dem Kauf sollten sie möglichst schnell in die Erde. Einige Stunden vorher kommen die Wurzeln in einen Eimer Wasser, damit sie sich vollsaugen. Beschädigte oder abgeknickte Wurzelenden werden mit einer scharfen Schere glatt nachgeschnitten. Containerbäume lassen sich dagegen fast das ganze Jahr pflanzen, solange der Boden nicht gefroren ist.
Die Unterlage bestimmt die Größe, nicht die Schere
Zwei Apfelbäume derselben Sorte können nach zwanzig Jahren völlig unterschiedlich groß sein. Der Grund liegt unter der Erde. Fast alle Obstbäume im Handel sind veredelt: Die Edelsorte, die später die Früchte trägt, sitzt auf einer Wurzelunterlage, die über Wuchsstärke, Größe und Lebensdauer entscheidet. Stark wachsende Unterlagen ergeben Halb- und Hochstämme, die über Jahrzehnte zu großen Bäumen werden. Schwach wachsende Unterlagen liefern Buschbäume oder Spindeln, die klein bleiben und früh tragen, dafür aber dauerhaft einen Pfahl brauchen.
Diese Entscheidung sollte beim Kauf fallen, nicht zehn Jahre später. Ein stark wachsender Baum lässt sich durch Schnitt nicht dauerhaft klein halten. Wer kräftig schneidet, provoziert im Gegenteil noch mehr Triebwachstum. Fragen Sie in der Baumschule deshalb nach der Unterlage und der Endgröße und planen Sie den Standort danach. Für einen Reihenhausgarten ist ein Buschbaum oder Spindelbaum meist die realistischere Wahl als ein Hochstamm.
Beim Obstbäume pflanzen zählt ein großzügiges Pflanzloch
Obstbäume brauchen einen sonnigen Platz und einen durchlässigen Boden. Verdichtete Flächen oder Senken, in denen sich Wasser sammelt, sind ungeeignet. Das Pflanzloch fällt deutlich größer aus als das Wurzelwerk, damit die neuen Wurzeln in lockere Erde wachsen können. Eine Tiefe von 40 bis 60 Zentimetern bei einem Durchmesser von 60 bis 80 Zentimetern ist ein guter Richtwert. Die Sohle des Lochs wird mit der Grabegabel zusätzlich gelockert.
Die ausgehobene Erde lässt sich mit etwas reifem Kompost verbessern. Frischer Stallmist oder konzentrierter Dünger haben im Pflanzloch dagegen nichts verloren, weil sie die Bildung feiner Faserwurzeln hemmen können. Eine kleine Gabe Hornspäne, die langsam Stickstoff freisetzt, gilt bei der Herbstpflanzung als verträglich.
Wühlmäuse sind die größte Gefahr im ersten Jahr
Wühlmäuse fressen mit Vorliebe die Wurzeln junger Obstbäume, besonders bei Apfel und Birne. Ein Baum, der im Frühjahr plötzlich schief steht und sich mühelos aus dem Boden ziehen lässt, ist oft ihr Opfer. In Gärten mit Wühlmäusen gehört deshalb ein Drahtkorb ins Pflanzloch. Im Handel gibt es fertige Wühlmauskörbe, sowohl aus unverzinktem Draht, der sich nach einigen Jahren im Boden zersetzt, als auch in langlebigerer verzinkter Ausführung.
Korb und Pfahl sind drin, bevor der Baum kommt. Diese Reihenfolge schützt die Wurzeln vor dem Spaten und später vor den Wühlmäusen.
Alternativ wird das Pflanzloch vor dem Einsetzen mit engmaschigem Drahtgeflecht ausgekleidet, das seitlich bis knapp unter die Oberfläche reicht. Der Korb wird am Ende oben zusammengezogen und locker um den Stamm geschlossen, ohne die Rinde einzuschnüren.
Beim Obstbäume pflanzen kommt der Pfahl vor dem Baum
Ein junger Baum braucht in den ersten Jahren Halt, damit Wind die frischen Wurzeln nicht immer wieder losreißt. Der Stützpfahl wird eingeschlagen, bevor der Baum ins Loch kommt. So werden keine Wurzeln verletzt. Er steht später etwa eine Handbreit vom Stamm entfernt. Bei Halb- und Hochstämmen endet er rund zehn Zentimeter unter dem Kronenansatz, damit er bei Wind nicht an den Ästen scheuert. Bei schwach wachsenden Buschbäumen und Spindeln reicht er weit in die Krone, weil er dort dauerhaft die Standfestigkeit übernimmt.
Der Baum wird mit einem Kokosstrick in Form einer liegenden Acht am Pfahl befestigt. So berühren sich Stamm und Pfahl nicht, und das Band gibt beim Dickenwachstum etwas nach. Gummibänder oder Draht dagegen schneiden mit den Jahren in die Rinde ein.
Die Veredelungsstelle bleibt eine Handbreit über der Erde
Beim Einsetzen des Baums gibt es ein Detail, das über Jahre nachwirkt. Die Veredelungsstelle, eine gut sichtbare Verdickung unten am Stamm, muss nach dem Pflanzen etwa eine Handbreit über dem Boden liegen. Rutscht sie unter die Erde, bildet die Edelsorte eigene Wurzeln, und der Einfluss der Unterlage auf die Wuchsstärke geht verloren.
Eine Handbreit Luft zwischen Veredelung und Erde. Rutscht die Stelle tiefer, geht der Einfluss der Unterlage auf die spätere Baumgröße verloren.
Die Erde wird locker eingefüllt, der Baum zwischendurch leicht gerüttelt, damit sich keine Hohlräume um die Wurzeln bilden. Danach wird die Erde angetreten und kräftig angegossen, auch wenn es regnet. Ein Gießrand aus Erde hält das Wasser im ersten Jahr am Stamm. Den Pflanzschnitt, bei dem die Krone auf einige Leittriebe reduziert wird, erledigen Sie bei der Herbstpflanzung im zeitigen Frühjahr, bevor der Baum austreibt.
Die erste Ernte lässt je nach Unterlage zwei bis fünf Jahre auf sich warten. Der Baum aber arbeitet ab dem Tag seiner Pflanzung, mitten im Winter, dort, wo es niemand sieht.
Fotos: Textnetz, Generiert mit KI









