Der erste richtige Herbststurm erledigt in zwei Nächten, was der Baum den ganzen Sommer aufgebaut hat. Am Samstagmorgen liegt der Garten unter einer braunen Decke, und die meisten Menschen greifen zum Rechen mit einem Ziel: weg damit. Dabei landet in jeder gefüllten Papiertonne Material, das jeder Gartenbesitzer im Frühjahr für Geld im Baumarkt kauft. Laub im Garten ist kein Abfall, sondern der einzige Rohstoff, den ein Grundstück jedes Jahr kostenlos und in großen Mengen produziert. Man muss nur wissen, welches Blatt wohin gehört.

Was in einem Sack Laub tatsächlich steckt

Bevor ein Baum sein Laub abwirft, holt er sich den größten Teil des Stickstoffs zurück in Zweige und Wurzeln. Was übrig bleibt, ist trotzdem kein leeres Material: Kalium, Magnesium, Kalzium und vor allem Kohlenstoff in Form von Zellulose und Lignin. Genau dieser Kohlenstoff macht Laub für den Boden so wertvoll, denn daraus entsteht Humus, der Wasser speichert und die Krümelstruktur stabilisiert.

Ein Quadratmeter unter einem ausgewachsenen Laubbaum liefert im Herbst grob zwei bis drei Kilogramm trockenes Blattmaterial. Auf ein durchschnittliches Grundstück mit zwei größeren Bäumen kommen so schnell mehrere hundert Kilogramm zusammen. Wer das jedes Jahr abfahren lässt und im Frühjahr Sackware zurückkauft, betreibt einen erstaunlich teuren Kreislauf.

Schnell, mittel, langsam: nicht jedes Laub verrottet gleich

Der entscheidende Unterschied liegt im Gerbsäure- und Ligningehalt. Weiches, dünnes Laub von Obstbäumen, Linde, Ahorn, Esche, Birke und Hasel zersetzt sich zügig und ist nach sechs bis zwölf Monaten weitgehend verschwunden. Diese Sorten können Sie bedenkenlos auf den normalen Kompost geben oder direkt als Mulch verteilen.

Zäher wird es bei Eiche, Buche, Walnuss, Rosskastanie und Platane. Ihr Laub ist ledrig, gerbstoffreich und braucht oft zwei Jahre bis zur Zersetzung. Gerbsäure hemmt zusätzlich das Bodenleben, weshalb große Mengen davon Beete regelrecht lahmlegen können. Diese Blätter sind trotzdem nicht wertlos, sie brauchen nur einen eigenen Platz und mehr Zeit. Am schlechtesten schneiden ledrige Immergrüne wie Kirschlorbeer ab, deren Blätter noch nach drei Jahren erkennbar im Kompost liegen.

Laubkompost ansetzen und ein Jahr vergessen

Laubkompost, in England seit Generationen als Leaf Mould bekannt, ist die einfachste Form der Verwertung und braucht praktisch keine Arbeit. Stecken Sie vier Pfähle in den Boden und spannen Sie einen Kaninchendraht darum, ein Meter im Quadrat und ein Meter hoch genügen. Alternativ tut es ein stabiler Gitterkorb aus dem Baumarkt für rund 30 Euro.

Drahtkorb aus Pfählen gefüllt mit Herbstlaub, daneben Mistgabel und Laubbesen für das Laub im Garten

Ein Kubikmeter Draht und vier Pfähle genügen, um Laub im Garten zu kompostieren. Danach passiert ein Jahr lang nichts weiter, als dass aus Blättern Erde wird.

Füllen Sie das Laub schichtweise ein und treten Sie es leicht an. Wer es beschleunigen will, fährt vorher mit dem Rasenmäher darüber, denn zerkleinertes Material bietet den Pilzen deutlich mehr Angriffsfläche und halbiert die Rottezeit. Eine Handvoll Hornspäne je Schicht oder ein paar Schaufeln Rasenschnitt liefern den Stickstoff, der im Laub fehlt, das Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff liegt bei reinem Laub bei etwa 50 zu 1 und damit weit über dem Idealwert von 25 zu 1.

Danach geschieht nichts weiter, außer dass Sie den Korb bei langer Trockenheit im Sommer einmal wässern. Nach zwölf Monaten haben Sie krümeliges, dunkles Material, das sich hervorragend als Bodenverbesserer und als Bestandteil von Anzuchterde eignet. Nach zwei Jahren ist es fast so fein wie gekaufte Erde.

Mulchen mit Laub im Garten: wo es hilft und wo es schadet

Auf Staudenbeeten, unter Sträuchern, um Obstbäume und auf abgeernteten Gemüsebeeten spielt Laub seine Stärken voll aus. Eine Schicht von fünf bis zehn Zentimetern schützt den Boden vor Wechselfrost, verhindert das Verschlämmen bei Starkregen und gibt Würmern und Asseln über den Winter etwas zu tun. Im Frühjahr ist ein Großteil davon eingearbeitet, ohne dass Sie einen Finger gerührt hätten.

Hand verteilt Herbstlaub als Mulchschicht zwischen zurückgeschnittenen Stauden

Fünf bis zehn Zentimeter schützen vor Wechselfrost und Verschlämmung. Nur Lavendel, Salbei und Steingartenpflanzen bleiben besser unbedeckt.

Grenzen hat die Methode bei Pflanzen, die trockene Füße mögen. Polsterstauden, Steingartenarten, Lavendel, Salbei und alles Silberlaubige faulen unter einer nassen Laubdecke zuverlässig weg. Halten Sie die Schicht dort auf zwei Zentimeter oder lassen Sie diese Bereiche ganz frei. Auch direkt am Stammfuß junger Bäume sollte eine Handbreit Abstand bleiben, sonst nagen Mäuse unter dem Schutz der Decke die Rinde an.

Der Rasen ist die große Ausnahme

Gras verträgt keine geschlossene Laubdecke. Unter einer nur zwei Zentimeter starken Schicht fehlt den Halmen innerhalb weniger Tage das Licht, es entsteht ein feuchtwarmes Klima, in dem Schneeschimmel beste Bedingungen findet. Wer das Laub liegen lässt, hat im März gelbe Flecken, die den ganzen Sommer sichtbar bleiben.

Bei dünnem Laubfall gibt es eine elegante Lösung: Fahren Sie mit dem Rasenmäher ohne Fangkorb darüber, am besten mit einem Mulchmäher wie dem Wolf-Garten A 370 A. Die zerhäckselten Blätter fallen zwischen die Halme, sind innerhalb weniger Wochen verschwunden und düngen die Fläche nebenbei. Sobald das Laub dichter liegt, kommt es herunter, und zwar mit dem Rechen oder Laubbesen statt mit dem Laubsauger. Geräte mit Häckselfunktion töten Marienkäfer, Spinnen und Ohrwürmer, die zwischen den Blättern überwintern.

Ein Laubhaufen für den Igel, der wirklich angenommen wird

Ein loser Haufen Blätter reicht nicht, er sackt beim ersten Regen zusammen und wird zur nassen Matte. Ein Igelquartier braucht eine Struktur, die den Hohlraum offen hält. Legen Sie zuerst ein Gerüst aus Ästen und Reisig, häufen Sie darüber das Laub und stützen Sie das Ganze mit ein paar dickeren Zweigen ab. Sinnvoll sind mindestens ein Meter mal anderthalb Meter Grundfläche und 50 bis 80 Zentimeter Höhe.

Strukturierter Laubhaufen mit Reisig unter einem Strauch als Igelquartier

Das Reisiggerüst ist der eigentliche Trick, denn es hält den Hohlraum offen. Ab November bleibt der Haufen unberührt, bis Mitte April.

Der Standort entscheidet mit. Eine ruhige Ecke hinter der Hecke, unter einem Strauch oder an der Nordseite eines Schuppens ist geeignet, mitten auf der Rasenfläche wird der Haufen ignoriert. Ab Anfang November ziehen Igel ein, sobald die Nachttemperaturen dauerhaft unter fünf Grad fallen. Von diesem Moment an bleibt der Haufen unberührt, auch beim Frühjahrsputz. Erst ab Mitte April dürfen Sie ihn vorsichtig auflösen, davor besteht die Gefahr, ein schlafendes Tier zu verletzen.

Was nicht auf den Kompost gehört

Bei Laub von Rosskastanien mit dem typischen braunen Fraßbild der Miniermotte ist Vorsicht angebracht, denn die Puppen überwintern im Blatt und starten im Frühjahr die nächste Generation. Dieses Material gehört in die Biotonne, wo die Heißrotte im Kompostwerk die Puppen abtötet, oder unter eine dichte Erdschicht von mindestens zehn Zentimetern.

Dasselbe gilt für Blätter mit Sternrußtau an Rosen, Schorf an Apfelbäumen oder Kirschblattlaus. Ein Hausgartenkompost erreicht selten die nötigen 60 Grad. Laub, das Sie vom Gehweg oder Straßenrand zusammenkehren, sollten Sie ebenfalls aussortieren, weil Reifenabrieb und Streusalzreste darin stecken. Alles andere darf bleiben, wo es hingehört, nämlich im eigenen Garten.

Der Herbst wirkt wie eine Zeit des Aufräumens, dabei ist er die Zeit des Einlagerns. Was jetzt vom Baum fällt, ist die Grundlage für die Erde, in der im übernächsten Frühjahr die Tomaten wachsen. Wer diesen Zusammenhang einmal gesehen hat, harkt anders: nicht mehr gegen den Garten, sondern für ihn.

Fotos: Textnetz, Generiert mit KI