Stauden altern von innen nach außen. Während am Rand frische Triebe erscheinen, verkahlt die Mitte eines Horstes Jahr für Jahr ein wenig mehr, bis die Pflanze aussieht wie ein grüner Ring um ein leeres Zentrum. Die Blüten werden kleiner, die Stängel kippen, und benachbarte Pflanzen geraten ins Gedränge. Krank ist die Pflanze deshalb nicht. So verläuft das Leben vieler mehrjähriger Pflanzen. Wer Stauden teilen möchte, nutzt diesen Lauf: Ein beherzter Spatenstich verjüngt die Pflanze und liefert kostenlos Nachschub für neue Beete. Entscheidend ist, welche Stauden jetzt im Herbst an der Reihe sind und welche lieber bis zum Frühjahr warten.
Eine kahle Mitte ist das Signal
Nicht jede Staude muss regelmäßig geteilt werden. Es gibt aber deutliche Anzeichen, dass es Zeit wird. Das auffälligste ist die verkahlte Mitte, bei der nur noch der äußere Kranz austreibt. Ein zweites Signal ist nachlassende Blühfreude, obwohl Standort und Pflege unverändert sind. Bei Taglilien, Funkien oder Schwertlilien fällt das oft zuerst auf.
Grün am Rand, leer in der Mitte. Wenn ein Horst so aussieht, sollte man die Stauden im Herbst teilen, damit er im nächsten Jahr deutlich reicher blüht.
Ein drittes Argument ist Platz. Wüchsige Stauden, die Ausläufer oder unterirdische Rhizome bilden, breiten sich im Beet aus und bedrängen schwächere Nachbarn. Wer sie teilt, bringt die Proportionen im Beet wieder in Ordnung. Als grobe Orientierung gilt: Konkurrenzstarke, schnell wachsende Stauden brauchen alle drei bis vier Jahre eine Teilung, langsam wachsende erst nach fünf bis sechs Jahren.
Stauden teilen nach der Blütezeit, nicht nach dem Kalender
Die wichtigste Regel für den Zeitpunkt richtet sich nach der Blüte. Stauden, die im Frühjahr und Frühsommer blühen, werden im Herbst geteilt. Sie haben ihre Blüte hinter sich und können bis zum Frost neue Wurzeln bilden, um im nächsten Frühjahr wieder voll zu blühen. Schwertlilien etwa werden nach der Blüte vom Hochsommer bis in den frühen Herbst geteilt. Taglilien, Funkien und Bergenien vertragen die Herbstteilung ebenfalls gut, weil der Boden im September noch warm ist und das Wurzelwachstum zügig vorankommt. Bei Taglilien und Funkien funktioniert auch das Frühjahr, sie sind in dieser Hinsicht unkompliziert.
Stauden, die im Spätsommer und Herbst blühen, bleiben dagegen bis zum Frühjahr unberührt. Herbstastern, Herbstanemonen, Sonnenhut oder Fetthenne würden sonst mitten in ihrer Hauptsaison gestört. Auch immergrüne Stauden und wärmeliebende Ziergräser wie Chinaschilf oder Lampenputzergras teilen Sie besser im Frühjahr, weil frische Teilstücke im nassen Winterboden leicht faulen oder erfrieren.
Manche Stauden wollen in Ruhe gelassen werden
Es gibt Arten, die mit den Jahren immer schöner werden und das Teilen übelnehmen. Pfingstrosen, Christrosen, Tränendes Herz, Rittersporn und Türkischer Mohn gehören zu dieser Gruppe, ebenso Akeleien. Sie bilden tiefe oder empfindliche Wurzeln, brauchen nach einem Eingriff oft mehrere Jahre, um wieder zu blühen, und bleiben deshalb am besten ungestört an ihrem Platz.
Sehr kurzlebige Stauden wiederum sind eher Kandidaten für Nachsaat oder Stecklinge als für die Teilung. Wer bei einer Pflanze unsicher ist, beobachtet ein Jahr lang: Wächst sie als Horst mit vielen Trieben aus der Basis, lässt sie sich meist gut teilen. Bildet sie eine einzige, pfahlartige Wurzel, eher nicht.
Spaten, Grabegabel und ein scharfes Messer reichen
Das Werkzeug für das Stauden teilen ist überschaubar. Robuste, dicht verwurzelte Horste lassen sich mit einem scharfen Spaten zerteilen. Für Arten mit brüchigen Wurzeln ist eine Grabegabel schonender, weil sie den Ballen aus dem Boden hebelt, ohne ihn zu durchschneiden. Ein kräftiges Messer hilft, kleinere Teilstücke sauber zu trennen und verletzte Wurzeln nachzuschneiden.
Die Grabegabel hebelt den Ballen schonend aus der Erde, das Messer trennt sauber. Mehr Werkzeug braucht es für die meisten Stauden nicht.
Die Pflanze wird zuerst rundherum abgestochen und dann vorsichtig aus der Erde gehoben. Dabei hilft es, die Grabegabel direkt am Ballen einzustechen und leicht hin und her zu bewegen, bis sich der Erdschluss löst. Hohe Stauden werden vorher auf eine Handbreit zurückgeschnitten, damit sie beim Hantieren nicht stören und die Teilstücke nicht über das Laub unnötig Wasser verlieren.
Faustgroß mit drei bis fünf Trieben
Bei der Größe der Teilstücke gilt: Lieber wenige kräftige als viele kleine. Ein gutes Teilstück hat etwa Faustgröße und drei bis fünf kräftige Triebe oder Knospen. Kleinere Stücke bewurzeln zwar ebenfalls, sind aber im ersten Winter anfälliger für Frostschäden und brauchen länger bis zur ersten vollen Blüte.
Drei kräftige Stücke vom Rand, die verholzte Mitte daneben auf dem Weg zum Kompost. So entstehen Pflanzen, die schon im ersten Jahr gut anwachsen.
Verwendet werden die jungen, vitalen Teile vom äußeren Rand des Horstes. Die verholzte, kahle Mitte kommt auf den Kompost. Unkrautwurzeln, etwa von Quecke oder Giersch, die sich im Ballen eingenistet haben, werden gründlich herausgezogen, bevor die Teilstücke wieder in die Erde kommen. Sehr lange Wurzeln kürzen Sie etwas ein, damit sie sich im Pflanzloch nicht nach oben biegen.
Nach dem Stauden teilen braucht der Boden Kompost
Eine Staude, die jahrelang am selben Platz stand, hat den Boden ausgezehrt. Soll ein Teilstück an der alten Stelle bleiben, wird die Erde vorher gelockert und mit reifem Kompost verbessert. Die übrigen Stücke kommen an neue Plätze im Beet oder in Töpfe, um sie zu verschenken.
Die Teilstücke werden in derselben Tiefe gepflanzt, in der die Mutterpflanze stand. Bei Schwertlilien ist das besonders wichtig: Ihr Rhizom soll nur knapp von Erde bedeckt sein. Danach wird die Erde angedrückt und gründlich angegossen, damit die Wurzeln sofort Kontakt zum Boden bekommen. Gedüngt wird erst, wenn die Pflanzen sicher angewachsen sind, also im nächsten Frühjahr.
Das Zeitfenster schließt sich mit dem ersten Frost
Die Herbstteilung braucht noch warme Bodentemperaturen, damit die Teilstücke vor dem Winter einwurzeln. September und Anfang Oktober sind deshalb die besten Wochen. Wer später teilt, riskiert, dass die Pflanzen im gefrorenen Boden nicht mehr anwachsen. In einem sehr nassen Herbst ist Warten bis zum Frühjahr ebenfalls die sicherere Wahl, weil frische Schnittstellen im staunassen Boden faulen können.
In rauen Lagen und in Norddeutschland schützt eine lockere Schicht aus Laub oder Reisig die frisch gesetzten Stauden im ersten Winter. Im Frühjahr zeigt sich dann, was ein Nachmittag mit dem Spaten bewirkt hat. Aus einem Horst mit kahler Mitte sind mehrere kompakte Pflanzen geworden, die dichter und reicher blühen als die alte. Das Beet hat sich verjüngt, ohne dass eine einzige Pflanze gekauft werden musste.
Fotos: Textnetz, Generiert mit KI









